Sonntag

Heute feiern Christen das Erntedankfest.

Wir ernten, weil sonst alles ins Kraut schießt, verfault oder verwelkt. Wir ernten, damit wir neuen Samen bekommen. Wir ernten, was uns die Natur schenkt, um mit dem Obst, dem Gemüse, dem Getreide durch den Winter zu kommen.

Aber wir ernten auch die Früchte einer Arbeit, die uns viel Zeit und Kraft gekostet hat. Oder die Früchte einer Beziehung, für die wir viel getan haben.

Wir danken für die Ernte.

Aber bei jeder Ernte haben wir auch Spreu. Dinge, die wir nicht brauchen können, die uns unnötig belasten, die wir nicht mit durch den Winter nehmen wollen.

Viele von uns kennen das: dieses Mitschleppen von Dingen, die wir nicht mehr brauchen. Im Gemeindebüro sind es alte Broschüren und Ordner, im Keller des Gemeindehauses stapeln sich Utensilien von Krippenspielen, die kein Mensch mehr benutzen wird, neben den Sachen, die auch beim letzten Flohmarkt schon wieder nicht verkauft worden sind. Zu Hause sind es Kleider, die wir seit Jahren nicht mehr tragen und die uns die Schubladen verstopfen, Werkzeug, das wir nie benutzen, altes Geschirr, das wir nicht weggeben wollen.

Wir alle schleppen viel Belastendes, Lästiges, Unnötiges mit uns herum. Alte Gewohnheiten, die uns nicht guttun; Freundschaften, die schon lange keine mehr sind; innere Bilder, die wir seit unserer Kindheit mit uns tragen und aus denen wir längst herausgewachsen sind wie aus Kleidern, die längst nicht mehr passen.

Aber dennoch fällt es uns schwer, uns zu trennen und zu spüren, wie gut es tut, diese Lasten loszuwerden. Das Belastende, Lästige, Unnötige nicht weiter mitzuschleppen, sondern es in den Wind zu blasen.

„Prüft alles, und behaltet das Gute!“

So steht es im 1. Brief an die Gemeinde von Thessaloniki. Prüft alles, und behaltet das Gute!

Ein kluger Spruch. Prüft alles – das bedeutet: erst einmal wird nichts von vornherein ausgeschlossen. Aus diesem kurzen Satz spricht eine grundsätzliche Offenheit gegenüber den Erfahrungen, die das Leben bietet. Eine grundsätzliche Offenheit gegenüber dem, was wir erleben. Denn was uns unwichtig erscheint, kann höchst bedeutsam werden. Und worüber wir uns zunächst ärgern, daran können wir vielleicht wachsen. Was wir

ablehnen, kann sich als wertvoll erweisen. Es ist gut, grundsätzlich offen zu sein, denn Bewertungen können sich schnell ändern.

Prüft alles – für uns heute bedeutet das: Prüft alles, was dieser Sommer euch gegeben hat. Prüft es, und behaltet das Gute! Das andere lasst hinter euch. Schält für euch das heraus, was euch gut getan hat, was euer Leben bereichert, was euch hat wachsen lassen, was eure Seele gefreut hat. Lenkt den Blick auf das, was euch kostbar ist und behaltet es.

Behaltet es – nicht im Sinne von Festhalten, sondern im Sinne von Bewahren. Bewahrt in eurem Herzen und in eurer Seele, was Gott in diesem Sommer euch geschenkt hat. Nehmt es zunächst einfach wahr und dankt dafür. Und nehmt es mit als Stärkung für die kommende Zeit.

In meinem Garten steht eine Sonnenblume, die sich selber dort ausgesät hat. Der Sommer hat sie reifen lassen.

Nun kann die Hülle zurückbleiben, die Kerne werden herausgeschält.

Die Kerne der Sonnenblume stehen für das, was uns von diesem Sommer bleibt.

Uns vom Unnötigen trennen – das können wir jetzt tun.

Wir trennen die Spreu vom Weizen.

Dieses geflügelte Wort stammt aus der Bibel, wo Johannes der Täufer über den Messias sagt: „Er hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.” (Matthäus-Evangelium 3,12)

 

Heute möchte ich Dich zu einer kleinen Meditation einladen:

Gebet

Gott Schöpfer, wie Franz von Assisi wollen wir die Natur, Sonne, Mond und Sterne wie Brüder und Schwestern ansehen, alle gleicher Maßen von dir geschaffen:

Erde, die du dies gebracht,

Sonne, die es reif gemacht,

liebe Sonne, liebe Erde,

euer nie vergessen werde.

Amen

Ähren raufen

Jetzt können wir in Gedanken unsere Lebens-Ähren raufen. Wir reiben die Ähre so lange zwischen den Händen, bis sich die Körner ganz von der Ähre gelöst haben.

Spreu vom Weizen trennen

In den Händen halten wir unsere Ernte. Die Körner, aber auch die Spreu. Von der Spreu wollen wir uns jetzt trennen. Wir lassen uns einen Moment Zeit und jeder schaut für sich:

Was ist meine Spreu, die ich loswerden will? Welche Last will ich nicht behalten? Was will ich nicht mit durch den Winter nehmen? – Überlege es Dir in einem Moment der Stille.

Dann puste die Spreu von der Hand und sage, laut oder leise für Dich selbst: „Ich trenne die Spreu vom Weizen. Ich will mich nicht mehr damit belasten.”

Körner sammeln

Jetzt halten wir unsere Ernte in der Hand. Fülle sie in ein Säckchen, das Du imaginär bei Dir hast.

Erneut aussäen

Von dem, was Du jetzt hast, gib in Gedanken einen Teil zurück in die Erde. Lege ein Korn in die Furche des Beetes Deines Lebens mit den Worten, laut oder leise: „Ich übergebe der Erde die Saat aus meiner Ernte, damit Neues wachse und gedeihe.”

Essen

Einen Teil hast Du gesät, aber Deine Ernte ist auch zum Essen da. Nimm in Gedanken ein Korn und iss es. Dazu kannst Du bitten:

Gott, stärke mich und schenke mir, was ich brauche.

Amen.

Die Fülle des Lebens, eine reichte Ernte

und obendrauf Gottes reichen Segen

wünschen Dir

Deine Querdenker-Christen