Samstag

Dr. Roberta Rio

Frau Dr. Rio ist promovierte Historikerin mit Gastprofessuren an den Universitäten von Bologna, Wien und Berlin. Ihre Forschungsmethode zur Analyse von Orten präsentierte sie erstmals 2011 an der Universität von Glasgow.

Als Erste ihres Faches beschäftigte sie sich mit den Wechselwirkungen von Häusern, Städten, Regionen und Menschen. Sie hat sich darauf spezialisiert, die Geschichte von Orten zu recherchieren, auf statistischer Basis wiederkehrende Muster zu erkennen und daraus Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen zu ziehen.

Sie schreibt dazu:

„Ich konnte aus der historischen Perspektive bestätigen, dass bestimmte Begebenheiten wie Glück, Krankheiten und Erfolg an gewissen Orten gehäuft auftreten. 

Jeder von uns spürt intuitiv die Atmosphäre und Ausstrahlung eines Ortes. Bei der ersten Begegnung mit einem neuen Menschen oder auch einer neuen Wohnung spürt man – auch über winzige körperliche Reaktionen – sofort eine Zu- oder Abneigung, ein Wohlfühlen oder Unbehagen. Die erste Wahrnehmung, das Bauchgefühl sagt immer die Wahrheit.“ – Interview:

Frage: Viele suchen auch Kirchen, Kapellen und Klöster zum Krafttanken auf. Woran liegt das?

Rio: Da kommen wohl mehrere Faktoren zusammen. Es steht fest, dass die alten Baumeister beispielsweise Kreuzgänge dort errichteten, wo sich einst unterirdisches Wasser befand. Der Psychologie-Professor und Neurotheologe Michael Persinger hat sein ganzes Leben darüber geforscht. Er ging davon aus, das unterirdisches Wasser die elektromagnetischen Felder unseres Körpers beeinflusst. Dadurch entstehen Halluzinationen, Visionen oder andere ungewöhnliche Körperwahrnehmungen.

Wer sich mit den Texten alter Baumeister auseinandersetzt, bemerkt, dass diese Orte stets bewusst gewählt wurden. Denn dort glaubte man Kräfte der Natur am Werk, um gewisse Phänomene wie das Streben nach Spiritualität oder das Gefühl von Mystischem zu erzeugen. Unsere Vorfahren haben Gebäude mit viel mehr Aufmerksamkeit als heute gebaut.

 Frage: Können Sie Beispiele nennen für sakrale Bauten, die an solchen Orten entstanden sind?

Rio: Eigentlich sind fast alle mittelalterlichen Kathedralen wie auch der Kölner und Speyrer Dom auf besonderen Plätzen gebaut. Bei einigen hat die Forschung gezeigt, dass es dort unterirdische Wasseradern gibt. Von zentraler Bedeutung ist auch die Asymmetrie vieler Kirchenbauten. In einem Gebäude, das in dem Streben nach Harmonie und Vollkommenheit errichtet wurde, überrascht das. Solche Asymmetrien zeigen sich bei vielen Gebäuden etwa am Nord- und Südportal; eigentlich müssten diese genau gegenüberstehen. Aber unsere Vorfahren haben die Gebäude an den unterirdischen Wasseradern ausgerichtet; die Energie des Ortes war für sie wichtiger als die Symmetrie. Auch über besondere Lichteffekte wie bei den gotischen Glasfenstern der Kathedrale Notre-Dame von Chartres können wir heute nur staunen.

Und sie sagt weiter:

Die Römer gingen davon aus, dass jeder Ort einen sogenannten spiritus loci, einen besonderen “Geist des Ortes” hat. Für sie hatte jeder Ort eine eigene Persönlichkeit, mit der man zurechtkommen musste. Unsere Vorfahren haben diesem ersten Eindruck mehr Raum gegeben.

Warum sind Kraftorte so mächtig?

Sie sind nicht nur besondere Orte in der Natur, sondern auch in geschaffenen Umgebungen wie Kapellen oder Heiligtümern zu finden. Sie werden oft als energetisch aufgeladen beschrieben und sind für viele Menschen eine wichtige Quelle von Kraft und Ausgeglichenheit.

Doch warum sind diese Orte so mächtig? Der Grund liegt in der besonderen Energie, die an diesen Orten spürbar ist. Diese Energie kann verschiedene Formen annehmen – von der Erdkraft, die durch Geo-energetische Phänomene wie Ley-Linien, geologischen Verwerfungen oder Wasseradern entsteht, bis hin zu spiritueller Energie, die durch Gebete und Rituale in heiligen Stätten verstärkt wird.

Diese können einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben.

Die natürliche Umgebung solcher Orte, wie beispielsweise die Anwesenheit von Bäumen und die Nähe zur Natur, fördern die Entspannung und Ruhe. Zudem wird das Immunsystem gestärkt und die Stresshormone werden reduziert. Menschen, die regelmäßig diese Orte besuchen, berichten oft von einer gesteigerten Vitalität und einer tieferen Verbindung zur Natur und zum Transzendenten, also Gott.

Auch die symbolische Bedeutung spielt eine Rolle. Viele Plätze sind bereits seit Jahrhunderten als heilige Orte bekannt und haben eine lange spirituelle Geschichte.

Die Präsenz von Gebäuden wie Kapellen oder Kirchen verstärkt diese spirituelle Atmosphäre und lädt uns dazu ein, uns mit etwas Größerem zu verbinden.

Mit Entsetzen habe ich heute, am 18.9.2026, in der WAZ gelesen, dass der Kirchenkreis Gelsenkirchen „Kräfte bündeln“ will und sich zur größten protestantischen Gemeinde zusammenschließen wird mit 32.000 Mitgliedern. Momentan gibt es noch neun Gotteshäuser, dem Artikel nach zu schließen werden nur vier übrigbleiben. Nicht, dass in Zukunft aus „Gelsenkirchen“ noch „Gelsenkirche“ mit nur einem Kirchengebäude wird.

Im „Bibelrunde Magazin“ las ich kürzlich:

„Die NYT greift in einem Artikel (05.09) das brisante Thema ‚ungenutze Kirchen in Europa‘ auf. Allein in D stehen alsbald über 20.000 Kirchen vor der Schließung. Begründet wird dies mit der Säkularisierung der Gesellschaft und dem damit verbundenen Wandel. Nun rätseln Gremien über die Verwertung verlassener Kirchen, fachbegrifflich als ‚Zombie Kirchen‘ stigmatisiert.

Kaum verwunderlich, dass hiervon vor allem röm.-kath. und ev. Kirchen betroffen sind. Die massenhafte Abkehr mag zwar vielfältig sein, jedoch auf die Idee, dass sie selbst maßgeblich am ‚großen Abfall‘ beteiligt sind, wollen die Kirchenfürsten nicht kommen. Stattdessen wird eine Kommission der Bischofskonferenzen der EU ab 22.09. darüber feilschen, wie das religiöse Erbe ‚vergoldet‘ werden kann.“

Ich denke, jeder von uns, egal welcher Konfession, sollte Kirchen als heilige Räume ansehen, hingehen, bewahren und die Werte des Christentums und das Evangelium an seinem Ort verkündigen. Denn nur so können wir unser christliches Erbe erhalten. Wir müssen es nicht vergolden – wird es rein und lauter verkündigt und gelebt, dann leuchtet es aus sich heraus.

Und letztendlich sind Kraftorte (und gerade Kirchen) so mächtig, weil sie uns ermöglichen, uns mit unserer eigenen inneren Kraft zu verbinden und zur Ruhe zu kommen. Sie bieten uns einen Rettungsanker im hektischen Alltag und ermöglichen es uns, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sie sind Orte, an denen Gott besonders spürbar ist, und an denen wir ihm besonders nahekommen und uns von ihm berühren lassen.

 

Deshalb gehört IHM, Gott unser Lob. Amen.

Gesegnete Stunden an Deinem Kraftort,

in Deiner Kirche

wünschen Dir

Deine Querdenker-Christen