Es war einmal …
So fangen Märchen an. Märchen haben immer einen wahren Kern, sie tragen eine große Weisheit und auch eine „Moral von der Geschicht‘“ in sich.
Weisheitsliteratur gibt es auch im AT der Bibel. Sie umfasst die Bücher der Psalmen, Sprüche, Hoheslied und Prediger – und das Buch Hiob. Darüber werde ich in den nächsten 3 „Langen Wochenenden“ schreiben.
Das Buch Hiob ist faszinierend, und es ist in die Weltliteratur eingegangen. Es umfasst grob gesehen drei Teile: die Rahmenhandlung, die Gespräche Hiobs mit seinen Freunden, und die Gottesreden. Jeder dieser Teile wird in einem der „Langen Wochenenden“ besonders angeschaut.
Heute geht es um die Rahmenhandlung. Darin wird Hiob zunächst vorgestellt. (Hiob 1, 1-5):
Es war einmal im Lande Uz … Da lebte ein Mann namens Hiob. Er war rechtschaffen, aufrichtig und gottesfürchtig und sein Lebenswandel war untadelig.
Hiob hatte sieben Söhne und drei Töchter. Er besaß 7.000 Schafe, 3.000 Kamele, 500 Ochsengespanne, 500 Esel und darüber hinaus viele Diener. Von allen Bewohnern des Ostens war Hiob der reichste.


Jedes Jahr luden Hiobs Söhne ihre Brüder und Schwestern an ihrem jeweiligen Geburtstag zu einem großen Fest in ihr Haus ein. Bei dieser Gelegenheit aßen und tranken sie zusammen.
Wenn das Fest vorüber war, ließ Hiob seine Kinder kommen, um sie zu heiligen/zu entsühnen. Er stand frühmorgens auf und brachte für jedes Kind ein Brandopfer dar, denn er sagte sich: »Vielleicht haben meine Kinder gesündigt und Gott insgeheim gelästert.« So machte Hiob es jedes Mal.
Hiob war rechtschaffen, untadelig, und er lebte in großem Glauben an Gott. Dazu hatte er eine nette Familie und war reich. Ziemlich reich.
Und wie Du Dir denken kannst, ruft das Neider auf den Plan.
Und Hiob – der hatte einen ganz besonderen Neider, den größten, den Du Dir vorstellen kannst.
Du merkst, wir sind hier mit dieser Geschichte ständig in Superlativen; deshalb ist diese Geschichte auch so wichtig.
Hiobs größter Neider war … ach, lass mich anders herum erzählen.
Es war einmal … da trafen sich alle Gottessöhne, alle Engel in Gottes Thronsaal, um wieder einmal zusammen zu sein. Unter ihnen war auch der Satan. Als einer der „Gottessöhne“, wie es in der Bibel heißt, also als einer seiner ersten Geschöpfe, einer der gefallenen Engel.
Und wie wir wissen, ist der Satan ja einer, der etwas anders ist, als die normalen Gottgläubigen.
Der stellt sich bald so ganz lässig neben Gott, und der spricht ihn an:
So lesen wir in der Bibel:
»Woher kommst du?«, fragte der HERR den Satan. Der Satan antwortete dem HERRN: »Ich bin auf der ganzen Erde herumgezogen.«
Da fragte der HERR den Satan: »Hast du meinen Knecht Hiob gesehen? Er ist der beste Mensch, der auf der Erde lebt – er ist rechtschaffen, aufrichtig, gottesfürchtig und verabscheut das Böse, keiner ist ihm gleich.«
Der Satan antwortete dem HERRN: »Ja, Hiob ist ein gottesfürchtiger Mann, aber er hat auch allen Grund dazu! Du hast ihn, seine Familie und seinen Besitz stets vor Unglück bewahrt. Du lässt ihm alles gelingen, was er unternimmt, und sein Reichtum wächst immer weiter. Aber wende dich nur einmal gegen ihn und nimm ihm alles weg, was er besitzt – dann wird er sich auf jeden Fall von dir lossagen!«
»Nun gut«, sagte der HERR zum Satan, …
… „Wetten dass …? Ich vertraue Hiob. Er bleibt bei mir, er hält an seinem Glauben fest, egal, was passiert. …
mit seinem Besitz darfst du tun, was du willst. Ihn selbst aber rühre nicht an.«
Ich sehe richtig das hämische Grinsen auf Satans Gesicht, als Gott so selbstsicher redet. Und der Satan hat sich schon seine teuflischen Gedanken gemacht, wie er Hiob aus der Reserve locken kann. Himmel und Hölle wird er in Bewegung setzen, um Hiob von seinem Glauben und Vertrauen an Gott abfallen zu lassen. Und dann … dann hat er eine Seele mehr eingefangen.
Da entfernte sich der Satan aus der Gegenwart des HERRN.
Und mit diesem Moment nimmt das Unheil seinen Lauf.
Mit diesem „Wetten dass“ Gottes beginnt die Geschichte der Hiobsbotschaften.
Ich möchte mit einigen Gedanken bei diesem „Wetten dass“ Gottes verweilen.
Es erscheint uns unmöglich, dass Gott ein solcher Spieler ist; dass er das Wohlergehen eines Menschen aufs Spiel setzt, nur um das eigene Ego bestätigt zu wissen.
Okay, Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbild – das heißt im Umkehrschluss, dass wir mit unseren Charakterzügen auch Gott ähnlich sind. Auch mit unserem Ego-Bewusstsein? Dann wäre diese Satan-Gott-Wette kein Problem für uns.
Ist es aber. Und das mit Recht. Zum einen sehe ich einen großen Unterschied zwischen dem Ego und dem Selbst. Das Ego
„ist der Kontrahent des Wahren Selbst und nicht ausschließlich mit dem Attribut egoistisch gleichzusetzen. Vielmehr ist egoistisch lediglich eine von vielen Facetten des Egos. Beide, das Wahre Selbst, sowie das Ego, sind das, wodurch wir wirken/ handeln. Alleinig aus dem Wahren Selbst heraus zu wirken, ist ehrlich und rein.“* (Quellen nicht mehr auffindbar)
„Das Wahre Selbst ist unser göttlicher Wesenskern und wird auch als unsere Seele bezeichnet. Das Wahre Selbst ist die reinste Form unseres Wesens. Ohne die Verblendungen und Verzerrungen unseres Egos agieren wir aus diesem. Unsere Wahres Selbst kommuniziert mit uns durch unsere in uns innewohnende und von Natur aus mitgegebene Intuition.
Das Wahre Selbst zu leben, bedeutet alle Schichten des Egos, die wir im Laufe unseres Leben gebildet haben, abzutragen, alle Kränkungen, Täuschungen, Verletzungen und Verblendungen aufzugeben. Alle Masken abzulegen. Jegliche Einteilungen und alles Katalogisieren widersprechen der Natur des Wahren Selbst, unserer Natur. Erst, wenn das Ego (nach und nach) aufgegeben wird, kann man erkennen, wer man wirklich ist.“*
Es ist nicht Gottes Ego, dass ihn zur Wette mit Satan treibt, sondern es ist sein Selbst. Gottes Wissen um jeden einzelnen Menschen. Gottes Vertrauen in Hiobs Glauben. Gottes Selbst-Bewusstsein und sein Bewusstsein um Hiobs Selbst und Selbst-Wert.
Und so steigt Gott ganz selbst-verständlich in diese Wette ein. Und Satan fängt an, sein böses Spiel zu treiben mit Hiob.