LangesWochenende alt

Querdenker-Christen – Schönes Wochenende 7.-9. August 2026

Es war einmal ein junger Mann, der jüngere von völlig unterschiedlichen Zwillingsbrüdern.

Esau, der ältere, war ein Draufgänger. Er war neugierig und mutig und ein Jäger. Oft streifte er durch die Wälder und Felder, um nach einem Tier Ausschau zu halten, das er mit Pfeil und Bogen schießen konnte, so dass die Familie wieder genug Fleisch zu essen hatte. Esau und sein Vater waren ein Herz und eine Seele.

Jakob, der jüngere, blieb lieber bei seiner Mutter zu Hause und half ihr im Haushalt mit. Er liebte es, zu kochen und zu backen. Er versorgte die Tiere, die in der Nähe ihrer Zelte lebten. Jakob und seine Mutter waren ein Herz und eine Seele.

Jakob fühlte sich minderwertig, weil er weder das Erstgeburtsrecht besaß, noch jemals den Erstgeburtssegen seines Vaters bekommen würde.

In Israel war das Erstgeburtsrecht mit drei Verheißungen verbunden:

  • Der Erstgeborene erhielt einen doppelten Anteil am Erbe des Vaters (Deuteronomium 21, 17),
  • er beherrschte die Brüder, das heißt, sie mussten ihm gehorchen,
  • und er war der Empfänger der Verheißungen Gottes.

Der Wunsch eines jeden Vaters war es, einen ‚Erstgeborenen’ zu haben (Psalm 127, 3). Isaak und Rebekka waren zwanzig Jahre kinderlos geblieben. Dann schenkte Gott ihnen Zwillinge. Diese erhielten die Namen ‚Esau’ (= rotbraun; Edom) und ‚Jakob’ (= Überlister).

Esau wurde zuerst geboren. Doch hatte Gott schon lange vor der Geburt der beiden entschieden: „Der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“ Warum denn das?

Mit dem so unterschiedlichen Charakter der Brüder kann man Gottes Entscheidung nicht begründen, denn beide haben Fehler: der eine ist leichtsinnig, der andere berechnend, der eine lebt unbekümmert um Gott und die Zukunft in den Tag hinein, der andere ist ein schlauer Geschäftemacher. Gottes Entscheidung hat einen anderen Grund.

Nach allem, was wir über Gott wissen, ist es doch so, dass Gott seine Gnade dem gibt, der sie zu schätzen weiß. Gott segnet den Menschen, der sich segnen lassen will. Gott zwingt seine Gnade, seinen Segen und seine Liebe niemandem auf.

Wie steht es da um die Söhne Isaaks? Wie ist ihr persönliches Verhältnis zu Gott? Wie entscheiden sie sich?

Jakob weiß das Erstgeburtsrecht zu schätzen. Er will nichts mehr als das, er will es an sich bringen, koste es was es will. Es soll sein Besitz sein.

Und er bringt es an sich – nicht nur wegen des doppelten Erbteils, wegen des Kleinviehs und der Rinder, des Silbers und des Goldes, der Knechte und der Mägde, der Kamele und der Esel, sondern auch wegen des verheißenen Segens.

Bei der Geburt der beiden Jungen hält Jakob die Ferse Esaus. Wir können darin die außergewöhnliche Energie Jakobs erkennen, die er von Mutterleib und Kindesbeinen an besaß.

Das Erstgeburtsrecht hat er sich mit einer ganz einfachen List erschlichen. Als eines Tages sein Bruder Esau völlig müde, abgekämpft und hungrig nach der Jagd nach Hause kam, duftete ein herrliches Linsengericht so stark, dass Esau quasi das Denken vergaß. Jakob wollte ihm nur zu Essen geben, wenn er im Gegenzug das Erstgeburtsrecht bekäme.

Und Esau?

„Siehe, ich muss ja doch einmal sterben“, sagt er, „was nützt mir da das Erstgeburtsrecht?“ Er verachtet es. Es gilt ihm nichts. Esau verachtet es, Träger der Verheißung zu sein und göttlichen Segen zu empfangen! Nun denn! Dann eben nicht.

Und er ließ sich noch ein zweites Mal über den Tisch ziehen. Dieses Mal allerdings hatte seine Mutter die Finger im Spiel, die ihrem Lieblingssöhnchen Jakob half, den Vater und den Bruder zu betrügen. Jakob „verkleidete“ sich als Esau, sein Vater war dermaßen alt, und auch blind, dass er den Betrug nicht merkte. So erschlich sich Jakob den Erstgeburtssegen durch seinen Vater. Esau wurde wieder betrogen.

Diesem Segen trauerte Esau allerdings nach

„Segne mich, auch mich, mein Vater!“ Doch sein Vater Isaak hatte nur diesen einen Segen. Für seinen Erstgeborenen hatte er nur noch einen Trost.

Zutiefst verletzt schwor er, an seinem Betrüger-Bruder Rache zu üben. Mit Hilfe seiner Mutter konnte Jakob fliehen. (Die folgenden kursiv gedruckten Texte stammen aus Genesis 28):

Jakob verließ Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran. Als die Sonne unterging, blieb er an dem Ort, wo er gerade war, um zu übernachten. Unter seinen Kopf legte er einen der Steine, die dort herumlagen. 

Während er schlief, hatte er einen Traum:

Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Engel Gottes stiegen hinauf und herab. 

 Dieses Bild hat für mich persönlich eine ganz große und besondere Bedeutung. Und das aus zweierlei Gründen.


Das Bild von der Himmelsleiter hat für mich persönlich eine ganz große und besondere Bedeutung. Und das aus zweierlei Gründen.

 Zum einen hat mich diese „Himmelsleiter“ schon als Kind beeindruckt. Meine Klassenlehrerin damals in der Volksschule, die auch Religion unterrichtet hat, muss diese Geschichte sehr bildhaft erzählt haben:

  • ein Traum, eine Leiter direkt zum Himmel, der Nachthimmel mit seinen Sternen, das Ende der Leiter ist irgendwo dort im Sternenhimmel … die Engel Gottes, leise, schwebend, kommen ganz nahe, gehen wieder zu Gott, kommen wieder auf die Erde
  • das eigene Herz schlägt, wache oder träume ich?, Gottes Gegenwart ganz nah, Wärme, Liebe, Gnade, Güte, Vergebung, Vertrauen … ich bin nicht allein.

Wohl dem, der einzig schauet
nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet,
der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen,
den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen
bleibt ewig ungetrübt.

Das ist die zweite Strophe des Liedes „Du meine Seele, singe“, das wir damals zur Geschichte im Religionsunterricht auswendig gelernt haben. Ich kenne das Lied bis heute auswendig. Und diese Strophe, obwohl dort keine Himmelsleiter vorkommt, erweckt in mir bis heute immer diesen Nachttraum zur Lebendigkeit.

 Der zweite Grund, warum dieses Bild eine so große Bedeutung für mich hat, ist, dass mein Vater sich – solange ich mich zurückerinnern kann – seinen Grabstein in Form der Himmelsleiter gewünscht hat.

Nun ist mein Vater gestorben. Er wurde fast 94 Jahre alt.

 Jetzt ist es an uns, ihm diesen Grabsteinwunsch zu erfüllen. Sein Enkel, unser Sohn, ist gelernter Steinbildhauer. Er wird uns mithelfen, diesen Wunsch meines Vaters, seines Großvaters, zu erfüllen.

 Eine Leiter, eine Treppe zum Himmel, ein Tor zum Himmel. Mein Vater hat in den letzten 14 Tagen seines Lebens immer wieder gesagt: „Ich bete, dass der Herrgott mich in seine Arme nimmt.“ Und so friedlich, wie er dann letztendlich eingeschlafen ist, mit gefalteten Händen und einem glücklichen Gesicht dort im Bett lag, hat er sicher das Himmelstor und die ausgebreiteten Arme Gottes gesehen – und konnte dann gehen. Das ist unser ganzer Trost in all unserer tiefen Trauer.

 Oben auf der Treppe stand der HERR und sagte zu ihm: »Ich bin der HERR, der Gott Abrahams und Isaaks.

… und der Gott meines Vaters.

Oben auf der Treppe stand der HERR und sagte zu Jakob: »Ich bin der HERR, der Gott Abrahams und Isaaks.

Das Land, auf dem du liegst, werde ich dir und deinen Nachkommen geben! Sie werden unzählbar sein wie der Staub auf der Erde, sich in diesem Land ausbreiten und alle Gebiete bevölkern. Und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde am Segen teilhaben. 

 Jakob kannte diese Worte. Sein Vater Isaak und sein Großvater Abraham werden sie ihm immer wieder erzählt haben. Gottes Wort tradieren, den Kindern, Enkeln und Urenkeln immer wieder weiterzuerzählen, das war damals üblich. Denn es gab ja keine Ablenkungen, sondern mit dem Sonnenuntergang begann die Zeit am Lagerfeuer und die Zeit des Erzählens, des Lachens und Weinens, und des Singens.

 Jakob kannte die Worte der dreifachen Verheißung Gottes, mit denen Gott seinen Bund mit Abraham und allen seinen Nachkommen geschlossen hat:

  • das Land, auf dem du liegst bzw. dich gerade befindest, gebe ich dir und deinen Nachkommen
  • diese Nachkommen werden so zahlreich, so unzählbar sein, wie der Staub auf der Erde, der Sand am Meer, die Sterne am Himmelszelt
  • und ich, Gott, werde dich segnen, und du sollst ein Segen sein (Genesis 12 + 15)

 Was für eine Gnade: Der Betrüger Jakob ist durch Gottes direktes Wort Erbe der Verheißung an Abraham und Isaak geworden! Das ist ein starkes Stück! Der kleine Lügner und Gauner wird zum Träger aller göttlichen Verheißungen.

Und Gott ist noch nicht am Ende, sondern spricht weiter:

„Du wirst sehen: Ich stehe dir bei! Ich behüte dich, wo du auch hingehst, und bringe dich heil wieder in dieses Land zurück. Niemals lasse ich dich im Stich; ich stehe zu meinem Versprechen, das ich dir gegeben habe.« 

Gott sagt zu, zu seinem Versprechen zu stehen, das er gegeben hat. Gottes Wort ist unwandelbar.

Aber stimmt das tatsächlich so? Finden wir nicht auch Gegenteiliges in der Bibel?

 Eindrückliches Beispiel ist die Geschichte von Jona und der Vernichtung Ninives.

Alle Einwohner Ninives, inklusive dem gesamten Königshaus, sind ungläubig, sündigen, halten Gottes Gebote nicht, beten nicht – ja, ihnen ist Gott einfach völlig egal. Jona wird von Gott nach Ninive geschickt und soll den Untergang der Stadt ankündigen. Dann setzt er sich auf eine Anhöhe außerhalb der Stadt und wartet auf das Spektakel, das Gott dort veranstalten wird.

Doch er wartet vergeblich; denn der König geht in sich, tut Buße, und ordnet sie auch für alle Stadtbewohner an. Und sie meinen es ernst, beten zu Gott um Verschonung. Und das Unglaubliche geschieht: Gott ändert sein Vorhaben und verschont die Stadt. Jona ist natürlich total sauer, bekommt er doch kein Schreckensschauspiel zu sehen. Wie Gott dieses Problem löst, ist eine andere Geschichte.

 Gott ändert auch seine Pläne. Doch wenn ich so in die Geschichten der Bibel hineindenke, dann sind es nur die negativen, die bestrafenden Pläne, die Gott ändert – sofern sich die Menschen ändern. Ändern die Menschen ihr Verhalten in Worten, Werken und Gedanken, dann ändert Gott seinen negativen Plan zum Guten.

Umgekehrt geht es auch: Wenn über Israels Könige eine gute Verheißung Gottes stand, und sie verachteten Gottes Wort, dann änderte Gott auch seinen positiven Plan.

 Doch ich denke, was für uns wichtig ist, das ist die Zusage Gottes, uns niemals im Stich zu lassen, so wie er damals auch Jakob nicht im Stich gelassen hat.

Gott steht zu seinen Versprechen, die er uns gegeben hat. Sofern wir zu unseren Versprechen stehen und uns nicht auf die dunkle Seite der Macht begeben.

 Jakob erwachte. Erschrocken blickte er um sich. »Tatsächlich – der HERR wohnt hier, und ich habe es nicht gewusst!«, rief er. »Wie furchterregend ist dieser Ort! Hier ist die Wohnstätte Gottes und das Tor zum Himmel!«

 Dass man von einem solchen Traum, der so real ist und so emotional wirkt, erschrocken aufwacht, das kann ich gut nachvollziehen. Jakob blickte sich um, und ihm wurde klar, wo er war, was ihn an diesen einsamen Ort gebracht hat, und wo er hinwollte.

 Seine ersten Worte gehen mir sehr nah: „Tatsächlich – der Herr wohnt hier, und ich habe es nicht gewusst!“

 Woher sollte er es auch wissen?


Jakob war so erstaunt, dass Gott hier in dieser Einsamkeit zu finden ist. Gott ist der, der mitgeht. Das hat v.a. sein Großvater Abraham erlebt, der sein Zuhause verlassen hat, um in einem fremden Land eine neue Heimat zu finden.

Das erlebte Israel später, als es aus Ägypten auszog und 40 Jahre lang durch die Wüste irrte, bevor es ins gelobte Land einziehen konnte. Auch hier war es Gott, der den ganzen Weg mitging.

Gott ging auch ins Exil, als die Babylonier Israel besiegten und gefangen nahmen. Gott ging mit in die Gefangenschaft. Er war auch dort der Gott, der den Weg seines Volkes mitging.

Und Gott ging mit, sichtbar, hörbar, erlebbar, anfassbar, in dem Menschen Jesus von Nazareth. Gott selber war und ist in diesem Wanderprediger; dieser Jesus von Nazareth war und ist der Christus, der Gesalbte Gottes.

Gott geht auch unsere Wege mit. Dafür bin ich dankbar. Als mein Vater starb, konnten wir bestätigen, dass Gott ihn auf allen seinen Wegen begleitet hat, ihn durch alle Schwierigkeiten getragen hat: sei es im Krieg, in der Vertreibung, auf der Flucht, in den Bombennächten, in der Nachkriegszeit, in den guten Zeiten, die dann kamen, in seiner 30 Jahre dauernden Krebszeit, und in der letzten Zeit. Gott macht am Ende alles gut, wenn wir nur ihm vertrauen und ihm die Leitung für unser Leben übergeben.

Gott steht uns bei in unserem Leben, in guten wie in schlechten Zeiten, und auch im Sterben und im Tod.

Das macht unser Leben viel leichter. Das lässt uns dankbar und demütig sein. Das schenkt und Frieden und Freude die Fülle. So können wir das Leben leben.

Am nächsten Morgen stand Jakob früh auf. Er nahm den Stein, auf den er seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Gedenkstein auf und goss Öl darüber, um ihn Gott zu weihen. Er nannte den Ort Bethel (Beth-El = »Haus Gottes«). Vorher hieß er Lus.

Dann legte Jakob ein Gelübde ab: »Wenn der Herr mir beisteht und mich auf dieser Reise beschützt, wenn er mir genug Nahrung und Kleidung gibt und mich wieder heil zu meiner Familie zurückbringt, dann soll er mein Gott sein!”

Es tut gut, diese Worte zu lesen; denn sie sind sehr menschlich und machen uns die Nachfolge leichter:

WENN Gott mir beisteht und mir alles zum Guten ermöglicht, DANN soll er mein Gott sein.

Wir brauchen bei Gott nicht in Vorleistung zu gehen. Gott selber geht in Vorleistung. Er steht bei, er beschützt uns auf unserer Lebensreise, er gibt uns genug Nahrung und Kleidung, der bringt uns heil an die Orte, wo wir hinsollen.

So. Das alles und noch viel mehr tut Gott doch schon längst.

Und das Allerbeste, bei dem Gott in Vorleistung gegangen ist, das ist die Versöhnung durch Jesu Tod am Kreuz. Gott selber nahm alle unsere Sünden ans Kreuz, wo sie uns nicht mehr schaden können. Er selber hat uns das geschenkt: Sündenbefreiung, Vergebung, Gnade und Barmherzigkeit, Freiheit, Liebe, Segen, Schutz …

… und wir dürfen das alles einfach so in Anspruch nehmen.

Was Gott im Gegenzug von uns erwartet?

Bei den Bundesschlüssen, die wir alle in der Bibel finden können, mit Noah, mit Abraham, mit Mose, mit der Menschheit, da will Gott immer nur eines von uns: Glauben.

Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Glauben, und in direkter Konsequenz ein Leben nach seinen Geboten. Das eine schließt das andere ein.

Jakob geht nach dem Traum von der Himmelsleiter, nach den Versprechen Gottes, dieses Wagnis ein: WENN du, Gott, das alles für mich tust, DANN ist es ganz klar, dass ich mein Leben von nun an in Frieden und nach deinen Geboten leben will.

Daraufhin baut er als Zeichen seines Bundes mit Gott einen Altar und benennt den Ort um in „Haus Gottes“. Er weihte diesen besonderen Ort Gott. Denn dort hat er Gottes Gegenwart erfahren.

Solche Häuser Gottes sollen auch uns heute immer noch heilig sein und als Heiligtümer gelten. In Gotteshäusern erleben viele Menschen die Nähe und Gegenwart Gottes. Kirchen sind heilige und besondere Orte, und sie werden es immer bleiben.

Jakob ist auf seinem Weg, der ihm fremd und unheimlich war, vor dem er Angst hatte, und den er nicht kannte, dem lebendigen Gott begegnet. Er wusste seinen Weg nicht, aber Gott wusste ihn wohl und hat ihm ihn gezeigt.

Jakob beendet diese Gottesbegegnung mit den Worten:

„Hier an diesem Ort soll Gott verehrt und angebetet werden, bei dem Stein, den ich als Erinnerung an seine Zusage aufgestellt habe. Und von allem, was Gott mir schenkt, will ich ihm den zehnten Teil zurückgeben!« 

So soll es sein.

Eine gesegnete Zeit

voller wunderbarer Gottesbegegnungen

wünschen Dir

Deine Querdenker-Christen

Querdenker-Christen, Langes Wochenende 15.+16. August 2026

Katholische Christen feiern heute den Festtag Mariä Himmelfahrt. Wir Evangelische können uns dieses Ereignis nicht vorstellen; denn zum Himmel aufgefahren ist Jesus Christus – von Maria ist da in der Bibel nie die Rede.

Sei’s drum!

Was steckt als Legende dahinter?

Mit der Kräuterweihe am 15. August erinnert die katholische Kirche an die legendäre Grabesöffnung Mariens. Statt des Leichnams fanden die Apostel dort Rosen und Lilien, vor dem Grab wuchsen die Lieblingskräuter der Gottesmutter.

Seit dem 7. Jahrhundert feiert die katholische Kirche den 15. August als die Aufnahme Marias in den Himmel. Traditionell werden vor allem im ländlichen Raum Kräuter gesammelt und daraus Büschel gebunden, die am Hochfest geweiht werden.

 Es soll eine symbolische Anzahl an Kräutern sein, 7 oder 9 oder 12.

Die Kräuterweihe soll uns wieder an unsere Verbindung mit der Natur erinnern – an die Kraft und Heilung, die wir aus ihr schöpfen können. Dazu soll man am 15. August bzw. am Vortag Kräuter sammeln und in Gedenken an diesen alten Brauch einen schönen Strauß zusammenstellen und der Natur für ihre Gabe danken. Denn die Natur hält alles Gute und Heilsame für uns bereit – so hat Gott es eingerichtet.

Nun ja, heutzutage sind die Menschen irgendwie anders drauf. Bei Unpässlichkeiten und Krankheiten laufen sie direkt zum Arzt oder Apotheker, um Chemikalien und Big Pharma die Heilung des Körpers anzuvertrauen.

Aber warum vertrauen wir nicht in Gottes Zusagen? Warum vertrauen wir ihm und seiner Schöpfung nicht?

Warum werfen wir etwa 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Symbiose mit der Natur einfach über Bord?

Ich möchte heute an einige der Heilkräuter erinnern und ihre christliche Symbolik aufzeigen, wie wir sie seit biblischen Zeiten kennen:

Königskerze

In der Mitte des Kräuterbüschels finden wir die Königskerze. Sie ist neben Eibisch und Malve die stärkste Schleimdroge, d.h. sie bietet Schutz und Reizmilderung für die Bronchien, Lungenleiden verschiedenster Art, Mandelentzündung, Husten und mehr. Außerdem wirkt sie positiv auf Gallenfluss und die Leber, bei Wunden, Hauterkrankungen und Geschwüren, und bei Ohrenleiden.

Hildegard von Bingen, die Mystikerin und Kräuterweise aus dem 11. Jh., setzte die Königskerze als Heilmittel gegen Schwermütigkeit, also Depressionen ein.

Die Königskerze ist ein Symbol für Mut und Hoffnung – und für ein langes Leben.

Alant

Oftmals wurde früher der Alant mit so vielen Blüten in die Kräuterbuschen eingebunden, wie Menschen, Kühe und Pferde auf dem Hof lebten. Im Mittelalter glaubten die Menschen auch, dass er vor dämonischen Einflüssen und auch vor Blitzschlag schützen sollte.

Das haben wir heutzutage glücklicherweise nicht mehr nötig zu glauben. Da können wir uns anders schützen.

Heutzutage sollten wir den Alant bei bestimmten Zivilisationskrankheiten nehmen, z.B. bei Asthma oder chronischer Bronchitis, als Leberschutz oder bei Diabetes.

In der christlichen Symbolik steht der Alant für Erlösung und das Licht. Wie passend!

Die strahlende, sonnenhafte Blüte verweist auf Christus als das „Licht der Welt“. In der spirituellen Deutung gilt das Räuchern oder die Beschäftigung mit der Pflanze als Hilfe, um „negative Stimmungen zu verwischen“ und die Seele für göttlichen Trost zu öffnen.

Johanniskraut

Eine dritte Pflanze möchte ich vorstellen. Denn kaum eine andere ist wissenschaftlich so genau und gründlich untersucht wie sie: das Johanniskraut.

Es wirkt krampflösend und beruhigend, und es ist v.a. bekannt und hilfreich bei Depressionen und Angstzuständen. Aber auch bei Virusinfektionen, Magenproblemen, Wunden, Leber- und Gallenproblemen wird es eingesetzt.

Das Johanniskraut ist Johannes dem Täufer geweiht.

Zerreibt man eine Blüte zwischen den Fingern, so tritt blutroter Saft aus – die Signatur für das Heilmittel gegen Blutarmut. Der Legende nach stand die Pflanze unter dem Kreuz Christi und jede Blüte fing einen Tropfen seines Blutes auf.

Wir sehen, dass die Menschen früherer Zeiten nicht nur um die Wirkung der Pflanzenmedizin wussten, sondern sie auch direkt mit dem göttlichen Wirken und der Erlösungstat Jesu Christi verbanden.

Die Pflanzen sind Gottes gute Apotheke.

Im Kräuterstrauß finden sich oftmals noch Wermut, Beifuß, Rainfarn, Kamille, Schafgarbe, Thymian, Baldrian, Liebstöckel, Eisenkraut … und viele andere Pflanzen mehr.

Eberraute

Die Eberraute enthält ätherisches Öl, Bitter- und Gerbstoffe und soll u. a. magenstärkend und verdauungsfördernd sowie entzündungshemmend sein. In klarem Schnaps eingelegt soll sie auch gegen Kopfschmerzen helfen.

In einem Kräuterbuch von 1588 heißt es von der Eberraute, sie „tödtet und treibet auss die Würm von alten Menschen und jungen Kindern“, wenn sie „gepülvert und mit Milch oder Honig“ eingenommen wurde.

Hildegard von Bingen berichtet von der Wirksamkeit des Safts der Eberraute gegen Grind (eine hochansteckende bakterielle Hautkrankheit), Beulen und Geschwüre.

Und: Wer sonntags befürchtete, während der Kirchenpredigt einzuschlafen, sollte einige Zweige der Eberraute mit sich tragen, denn ihr Duft hält während der längsten Predigt munter. – Die Eberraute hat übrigens auch noch einen anderen Namen: Colakraut. Man riecht es.

… Fortsetzung folgt!

Es wäre noch so viel zu sagen über die Heilwirkung der Pflanzen, die wir oft als „Unkraut“ ausreißen und wegwerfen, die unser Schöpfer aber als Heilkraut gegeben hat – Gottes gute Apotheke, die wir oft mit Füßen treten. Schade!

Umso wichtiger ist es, ihr auch einen Platz im Jahreskreis der Gottesdienste und der Liturgie zu geben, so wie es in der katholischen Kirche üblich ist.

Dort hat am 15. August auch dieses Gebet seinen festen Ort:

„Allmächtiger ewiger Gott, der Du Himmel, Erde und Meer, Sichtbares und Unsichtbares durch Dein Wort aus dem Nichts erschaffen hast

und zum Gebrauch der Menschen und Tiere die Erde hervorbringen lässt Bäume und Kräuter,

welche nach Deiner mildreichen Anordnung in ihrer jeweiligen Eigenart aus sich Frucht bringen, nicht nur als Kräuternahrung für die Beseelten, sondern auch zur Heilung kranker Körper.

Inniglich bitten wir Dich mit Herz und Mund, Du wollest diese unterschiedlichen Kräutergattungen und Früchte durch Deine gnadenreiche Milde + segnen,

damit sie durch den Einfluss der neuen Gnade Deines Segens und durch den rechten Gebrauch

für Mensch und Tier in Deinem heiligen Namen

über ihre von Dir gegebene natürliche Kraft hinaus

reichen Schutz gewähren gegen alle Krankheit und Vergiftung.

Durch unseren Herrn Jesus Christus… Amen.“

Das ist ein schönes Gebet, das alles zusammen bringt, was zusammengehört: Menschen, Tiere, Pflanzen – Gottes Gnade, Schutz und seinen Segen.

Ich liebe meinen Kräutergarten, und auch die Brennesselfelder, die ich bewusst stehen lasse, weil dort auch bestimmte Schmetterlingsarten sich vermehren:

Mehr als 30 heimische Schmetterlingsarten – genauer gesagt deren Raupen – brauchen unbedingt Brennnesseln als Futter- und Kinderstube. Zu den bekanntesten Tagfaltern, die auf die Pflanze angewiesen sind, gehören das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, der Admiral und der C-Falter.

Du merkst es: Je tiefer wir in das Kräuterwissen hineingehen, desto mehr erkennen wir, wie wunderbar Gott seine großartige Schöpfung gemacht hat: Alles ist mit allem verbunden, eines spielt ins andere hinein – und sogar die Mücken haben dort ihren Platz und ihre Berechtigung.

Mücken sind wichtig für die Natur. Sie dienen als Nahrung für Fische, Vögel und Fledermäuse. Ihre Larven putzen Gewässer, indem sie Schmutz filtern. Zudem bestäuben erwachsene Mücken beim Nektarsaugen Blumen.

Und so ganz nebenbei sorgen sie bei uns Menschen für einen Aderlass. Auch ein altes Heilmittel.

Ja … und so kann ein katholischer Feiertag, den wir Evangelischen so gar nicht nachvollziehen können, uns doch Gottes Schöpfung und die Natur ganz nahebringen.

Das Lob auf die Schöpfung ist in der Bibel an sehr vielen Stellen zu finden, v.a. in den Psalmen, aber auch schon ganz am Anfang der Bibel, im 1. Schöpfungsbericht. Dort vermerkten die Priester Israels, die diesen Bericht verfassten, ganz bewusst nach jedem einzelnen Schöpfungswerk Gottes, dass es „sehr gut“ war.

Ich möchte also diesen Tag dazu nutzen, das Lob auf die Schöpfung zu erneuern, und zwar anhand von drei Gedanken:

  • Anerkennung des Ursprungs: Alles Leben kommt von Gott und erhält durch ihn täglich seinen Atem.
  • Verantwortung des Menschen: Die Welt ist dem Menschen nicht zur egoistischen Ausbeutung anvertraut, sondern zum behutsamen Leben und Bewahren.
  • Dankbarkeit: Das bewusste Betrachten der Natur führt vom reinen Nutzenwollen zurück zum Staunen und zum Lobpreis des Schöpfers

„Lobpreis“ bedeutet also nicht nur, eine bestimmte Art von Liedern zu singen, sondern auch, sich als Teil der Natur zu verstehen und danach zu handeln. Diese Möglichkeit der Achtsamkeit beschreibt der Apostel Paulus im 1. Kor. 10,23f. mit den Worten: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.“
 In diesem Sinne lasst uns alles Gute von Gott annehmen, seine gute und heilsame Schöpfung achten und für unsere körperliche und seelische Heilung nutzen, und ihm dankbar sein in allen Dingen. Denn:

Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes

und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.

Die Weisung des HERRN ist vollkommen,

sie erquickt den Menschen …

 

… lobpreisen mit Dir

Deine Querdenker-Christen

 

Es war einmal …

So fangen Märchen an. Märchen haben immer einen wahren Kern, sie tragen eine große Weisheit und auch eine „Moral von der Geschicht‘“ in sich.

Weisheitsliteratur gibt es auch im AT der Bibel. Sie umfasst die Bücher der Psalmen, Sprüche, Hoheslied und Prediger – und das Buch Hiob. Darüber werde ich in den nächsten 3 „Langen Wochenenden“ schreiben.

Das Buch Hiob ist faszinierend, und es ist in die Weltliteratur eingegangen. Es umfasst grob gesehen drei Teile: die Rahmenhandlung, die Gespräche Hiobs mit seinen Freunden, und die Gottesreden. Jeder dieser Teile wird in einem der „Langen Wochenenden“ besonders angeschaut.

Heute geht es um die Rahmenhandlung. Darin wird Hiob zunächst vorgestellt. (Hiob 1, 1-5):

Es war einmal im Lande Uz … Da lebte ein Mann namens Hiob. Er war rechtschaffen, aufrichtig und gottesfürchtig und sein Lebenswandel war untadelig.

Hiob hatte sieben Söhne und drei Töchter. Er besaß 7.000 Schafe, 3.000 Kamele, 500 Ochsengespanne, 500 Esel und darüber hinaus viele Diener. Von allen Bewohnern des Ostens war Hiob der reichste.

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedes Jahr luden Hiobs Söhne ihre Brüder und Schwestern an ihrem jeweiligen Geburtstag zu einem großen Fest in ihr Haus ein. Bei dieser Gelegenheit aßen und tranken sie zusammen.

Wenn das Fest vorüber war, ließ Hiob seine Kinder kommen, um sie zu heiligen/zu entsühnen. Er stand frühmorgens auf und brachte für jedes Kind ein Brandopfer dar, denn er sagte sich: »Vielleicht haben meine Kinder gesündigt und Gott insgeheim gelästert.« So machte Hiob es jedes Mal.

Hiob war rechtschaffen, untadelig, und er lebte in großem Glauben an Gott. Dazu hatte er eine nette Familie und war reich. Ziemlich reich.

Und wie Du Dir denken kannst, ruft das Neider auf den Plan.

Und Hiob – der hatte einen ganz besonderen Neider, den größten, den Du Dir vorstellen kannst.

Du merkst, wir sind hier mit dieser Geschichte ständig in Superlativen; deshalb ist diese Geschichte auch so wichtig.

Hiobs größter Neider war … ach, lass mich anders herum  erzählen.

Es war einmal … da trafen sich alle Gottessöhne, alle Engel in Gottes Thronsaal, um wieder einmal zusammen zu sein. Unter ihnen war auch der Satan. Als einer der „Gottessöhne“, wie es in der Bibel heißt, also als einer seiner ersten Geschöpfe, einer der gefallenen Engel.

Und wie wir wissen, ist der Satan ja einer, der etwas anders ist, als die normalen Gottgläubigen.

Der stellt sich bald so ganz lässig neben Gott, und der spricht ihn an:

So lesen wir in der Bibel:

»Woher kommst du?«, fragte der HERR den Satan. Der Satan antwortete dem HERRN: »Ich bin auf der ganzen Erde herumgezogen.«

Da fragte der HERR den Satan: »Hast du meinen Knecht Hiob gesehen? Er ist der beste Mensch, der auf der Erde lebt – er ist rechtschaffen, aufrichtig, gottesfürchtig und verabscheut das Böse, keiner ist ihm gleich.«

Der Satan antwortete dem HERRN: »Ja, Hiob ist ein gottesfürchtiger Mann, aber er hat auch allen Grund dazu! Du hast ihn, seine Familie und seinen Besitz stets vor Unglück bewahrt. Du lässt ihm alles gelingen, was er unternimmt, und sein Reichtum wächst immer weiter. Aber wende dich nur einmal gegen ihn und nimm ihm alles weg, was er besitzt – dann wird er sich auf jeden Fall von dir lossagen!«

»Nun gut«, sagte der HERR zum Satan, …

… „Wetten dass …? Ich vertraue Hiob. Er bleibt bei mir, er hält an seinem Glauben fest, egal, was passiert. …

mit seinem Besitz darfst du tun, was du willst. Ihn selbst aber rühre nicht an.«

Ich sehe richtig das hämische Grinsen auf Satans Gesicht, als Gott so selbstsicher redet. Und der Satan hat sich schon seine teuflischen Gedanken gemacht, wie er Hiob aus der Reserve locken kann. Himmel und Hölle wird er in Bewegung setzen, um Hiob von seinem Glauben und Vertrauen an Gott abfallen zu lassen. Und dann … dann hat er eine Seele mehr eingefangen.

Da entfernte sich der Satan aus der Gegenwart des HERRN.

Und mit diesem Moment nimmt das Unheil seinen Lauf.

Mit diesem „Wetten dass“ Gottes beginnt die Geschichte der Hiobsbotschaften.

Ich möchte mit einigen Gedanken bei diesem „Wetten dass“ Gottes verweilen.

Es erscheint uns unmöglich, dass Gott ein solcher Spieler ist; dass er das Wohlergehen eines Menschen aufs Spiel setzt, nur um das eigene Ego bestätigt zu wissen.

Okay, Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbild – das heißt im Umkehrschluss, dass wir mit unseren Charakterzügen auch Gott ähnlich sind. Auch mit unserem Ego-Bewusstsein? Dann wäre diese Satan-Gott-Wette kein Problem für uns.

Ist es aber. Und das mit Recht. Zum einen sehe ich einen großen Unterschied zwischen dem Ego und dem Selbst. Das Ego 

„ist der Kontrahent des Wahren Selbst und nicht ausschließlich mit dem Attribut egoistisch gleichzusetzen. Vielmehr ist egoistisch lediglich eine von vielen Facetten des Egos. Beide, das Wahre Selbst, sowie das Ego, sind das, wodurch wir wirken/ handeln. Alleinig aus dem Wahren Selbst heraus zu wirken, ist ehrlich und rein.“* (Quellen nicht mehr auffindbar)

„Das Wahre Selbst ist unser göttlicher Wesenskern und wird auch als unsere Seele bezeichnet. Das Wahre Selbst ist die reinste Form unseres Wesens. Ohne die Verblendungen und Verzerrungen unseres Egos agieren wir aus diesem. Unsere Wahres Selbst kommuniziert mit uns durch unsere in uns innewohnende und von Natur aus mitgegebene Intuition.

Das Wahre Selbst zu leben, bedeutet alle Schichten des Egos, die wir im Laufe unseres Leben gebildet haben, abzutragen, alle Kränkungen, Täuschungen, Verletzungen und Verblendungen aufzugeben. Alle Masken abzulegen. Jegliche Einteilungen und alles Katalogisieren widersprechen der Natur des Wahren Selbst, unserer Natur. Erst, wenn das Ego (nach und nach) aufgegeben wird, kann man erkennen, wer man wirklich ist.“*

Es ist nicht Gottes Ego, dass ihn zur Wette mit Satan treibt, sondern es ist sein Selbst. Gottes Wissen um jeden einzelnen Menschen. Gottes Vertrauen in Hiobs Glauben. Gottes Selbst-Bewusstsein und sein Bewusstsein um Hiobs Selbst und Selbst-Wert.

Und so steigt Gott ganz selbst-verständlich in diese Wette ein. Und Satan fängt an, sein böses Spiel zu treiben mit Hiob.

… Fortsetzung folgt

So geht es weiter mit den Hiobsbotschaften, die jetzt eintreten.

Eines Tages, als Hiobs Söhne und Töchter im Haus ihres ältesten Bruders miteinander aßen und Wein tranken, traf ein Bote bei Hiob ein und überbrachte ihm folgende Nachricht: »Deine Ochsen waren beim Pflügen, und die Esel weideten daneben, als die Sabäer uns plötzlich überfielen. Sie raubten uns die Tiere und töteten die Knechte. Ich bin als Einziger entkommen, um es dir zu sagen.«

Während der Mann noch sprach, kam ein anderer Bote und sagte: »Ein Blitz hat eingeschlagen und hat deine Schafe und ihre Hirten vernichtet. Ich bin als Einziger entkommen, um es dir zu sagen.«

Der Mann hatte noch nicht ausgeredet, als ein dritter Bote eintraf und berichtete: »Drei Räuberbanden von den Chaldäern haben deine Kamele gestohlen und deine Knechte umgebracht. Ich bin als Einziger entkommen, um es dir zu sagen.«

 

Während der Mann noch redete, folgte ein weiterer Bote mit einer Nachricht: »Deine Söhne und Töchter haben im Haus ihres ältesten Bruders ein Fest gefeiert. Plötzlich kam ein heftiger Wüstensturm auf und traf das Gebäude mit voller Wucht. Es stürzte ein und hat alle deine Kinder unter sich begraben. Ich bin als Einziger entkommen, um es dir zu sagen.«

 

Da stand Hiob auf und zerriss seine Kleider. Er schor sich den Kopf, warf sich vor Gott zu Boden …

Ist das nicht furchtbar? Hiob vertraut Gott ganz und gar. Er weiß sich von ihm gesehen und gesegnet. Gott ist Hiob ein feste Burg, Schutz und Schild vor allem Bösen. Und jetzt?

Wie wird er reagieren? Wie würden wir reagieren?

Ich würde Gott eine gesammelte Ladung an Fragen an den Kopf werfen. Würde ihm noch einmal all mein Elend und Leid ins Gesicht schreien. Ein erstmal nicht endendes „Warum? Wir haben doch nichts Schlimmes getan!“

Ich kenne Menschen, die durch einen Schicksalsschlag ihren Glauben an Gott abgelegt haben.

Und ich erinnere mich noch sehr gut an die Reaktionen auf den Tsunami am 2. Weihnachtstag 2004, bei dem knapp 228.000 Menschen den Tod fanden. Damals habe ich noch in Gladbeck in der Schule gearbeitet. In mehreren Klassenräumen hing das Titelblatt der Bildzeitung mit 12-cm-Titelbuchstaben: WO WAR GOTT oder WIE KONNTE GOTT DAS ZULASSEN?

In jeder Klasse habe ich daraufhin an der Theodizeefrage gearbeitet: Wie kann Gott das Leid zulassen? Und: Können wir eigentlich noch an einen allmächtigen Gott glauben, wenn wir so ein Unglück sehen?

Wie hat Hiob reagiert, als ihm all diese Unglücksbotschaften erreichten, und ihm alles, wirklich alles, selbst seine 10 Kinder, genommen wurde?

Er warf sich vor Gott zu Boden und sagte: »Nackt bin ich aus dem Leib meiner Mutter gekommen, und nackt werde ich sein, wenn ich sterbe. Der HERR hat mir alles gegeben und der HERR hat es mir wieder weggenommen. Gelobt sei der Name des HERRN!«

Trotz allem, was geschehen war, versündigte Hiob sich nicht gegen Gott und sagte nichts Ungehöriges.

 Wer meint, hier sei das Hiobbuch schon an seinem Höhepunkt angekommen, der irrt. Denn jetzt geht es erst richtig los. Und so geht es weiter:

Eines weiteren Tages erschienen die Engel, die Gottessöhne, erneut vor dem HERRN und auch der Satan war wieder dabei. »Woher kommst du?«, fragte der HERR den Satan. Der Satan antwortete dem HERRN: »Ich bin auf der ganzen Erde herumgezogen.«

Da fragte der HERR den Satan: »Hast du meinen Knecht Hiob gesehen? Er ist der beste Mensch, der auf der Erde lebt – er ist rechtschaffen, aufrichtig, gottesfürchtig und verabscheut das Böse. Und er hält an seinem Glauben fest, obwohl du mich überredet hast, ihm ohne Grund Leid zuzufügen.«

Hier stutze ich:

Gott sagt, er selber wurde vom Satan überredet, Hiob ohne Grund Leid zuzufügen. Und das, obwohl es beim ersten Gespräch hieß: „Mit seinem Besitz darfst DU tun, was DU willst.“

Es scheint mir, als würde Gott selber die Schuld auf sich nehmen für das, was der Satan Hiob angetan hat. Ich bin der Überzeugung, dass Gott nichts Böses tut. Über „selber tun“ und „zulassen“ werde ich im nächsten „Langen Wochenende“ genauer schreiben, und über eine Argumentationsspirale, was das Schicksal angeht, das einem widerfährt.

Gott nimmt also hier Satans schuldiges Tun auf sich. Das gehört übrigens auch zu Gottes Wesen: die Schuld Anderer auf sich zu nehmen und selber zu tragen.

Und der Satan nimmt es als selbstverständlich hin und treibt sein böses Spiel mit einem weiteren „Wetten dass“ auf die Spitze …

… Fortsetzung folgt

Der Satan antwortete dem HERRN: »Ja, Hiob hält an seinem Glauben fest; denn bisher ist er auch noch mit heiler Haut davongekommen. Wenn er damit sein Leben retten kann, gibt ein Mensch alles her, was er besitzt. Doch nimm ihm seine Gesundheit und er wird sich bestimmt von dir lossagen!«

»Nun gut«, sagte der HERR zum Satan, »wetten, dass er weiterhin an mir festhält? Mach mit ihm, was du willst. Nur das Leben darfst du ihm nicht nehmen.«

Da entfernte sich der Satan aus der Gegenwart des HERRN und suchte Hiob von Kopf bis Fuß mit Ekel erregenden Geschwüren heim.

Daraufhin setzte Hiob sich mitten in die Asche und kratzte sich mit einer Tonscherbe. Seine Frau sagte zu ihm: »Willst du etwa immer noch an deiner Frömmigkeit festhalten? Sag dich von Gott los und stirb!«

Hups, wenn ich das in dieser Situation von meinem Mann gesagt bekommen hätte, dann hätte ich ihn bestimmt zum Teufel gejagt.

Doch Hiob antwortete: »Du sprichst wie eine Frau, die dumm und gottlos ist. Sollen wir das Gute aus Gottes Hand nehmen, das Schlechte aber ablehnen?« Und noch immer sprach Hiob kein sündiges Wort gegen Gott.

Und auch nicht gegen seine Frau. Er hat nur die objektive Wahrheit gesprochen, denn die Worte seiner Frau waren dumm und gottlos, „töricht“ übersetzt Luther.

Allein schon in dieser Rahmenhandlung des Hiobbuches haben wir zwei Hiob-Zitate, die bis heute von gottgläubigen Menschen gesagt werden:

„Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“ Und:

„Haben wir Gutes von Gott empfangen, sollten wir das Böse nicht auch annehmen?“

Allein für diese beiden Aussagen hat es sich gelohnt, dass der Autor das Hiobbuch geschrieben hat. Schon das allein ist echte Weisheitsliteratur.

Es ist weise, alles im Leben als von Gott gegeben anzunehmen. Gott dankbar zu sein. Denn alles, was wir im Leben empfangen, dient zu unserem Besten – auch wenn wir es zunächst nicht glauben möchten, und sogar dagegen auflehnen. Doch überlegen wir mal:

Ich hatte vor geraumer Zeit eine Krankheit, die mich viele Jahre lang gefangen hielt. Das war eine verdammt schwierige Zeit. Und erst im Nachhinein konnte ich erkennen, wozu diese Zeit gut war: Ich durfte lernen, meinen Charakter zu verändern. Ich durfte ganz und gar gesund werden an Körper, Seele und Geist – bei allen Einschränkungen, die altersgemäß einfach da sind, die ich allerdings nicht als Krankheiten ansehe. Denn gesund bin ich, wenn ich mit mir und der Welt im Einklang lebe.

Ich durfte mich auch beruflich verändern, ich konnte mir einen neuen Freundeskreis aufbauen – denn erst in der Not erweist sich, wer ein guter Freund und eine gute Freundin ist; nämlich genau die Menschen, die zu einem halten und auf einen besseren Weg begleiten.

Es heißt ja: „Ich verliere nie. Entweder ich lerne, oder ich siege.“ Alles also, was uns niederdrückt und zu Boden wirft dient dazu, dass ich daraus lerne und es ab jetzt anders mache.

„Haben wir Gutes von Gott empfangen, sollten wir das Böse nicht auch annehmen?“ Ja, natürlich sollten wir das! Denn das vermeintlich Böse dient uns zur Möglichkeit der Veränderung. Und somit ist es uns von Gott geschenkt.

Und was ist, wenn uns alles genommen wird? Wenn wir nur noch mit der Kleidung an unserem Leib dastehen?

Was haben unsere Vorfahren gemacht? Ich weiß es ganz genau von meinen Schwiegereltern, die beide (!) jahrelang in russischer Gefangenschaft waren. Mein Schwiegervater musste in Russland Straßen bauen, meine Schwiegermutter hat als 18-jährige vier Jahre lang im Bergbau gearbeitet. Beide kamen nur mit den Kleidern, die sie trugen, nach Westdeutschland, 1948 und 1949. Hier haben sie sich kennengelernt, hier haben sie 1950 geheiratet und quasi aus dem Nichts heraus ein Haus gebaut und drei Kinder bekommen. Sie haben gelernt zu arbeiten, und sie haben sich hier ein neues Leben aufgebaut.

„Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“

Und mit diesem übergroßen Gottvertrauen ist es möglich, aus jeder noch so tiefen Unglückssituation herauszukommen, wieder aufzustehen, sein Leben neu zu ordnen, nach vorne zu schauen und mit Gottes Hilfe nach seinen Geboten zu leben. Denn Gott will nicht das Böse, sondern das Gute.

Und wir dürfen unseren Teil dazu beisteuern, damit es sich auch so realisiert. Von Nichts kommt Nichts.

Also: Gott und wir. Gemeinsam.

So können wir uns getrost auf den Weg machen

und in eine bessere Zukunft schauen.

Mit Gottes Hilfe.

Darauf vertrauen

Deine Querdenker-Christen