7.11.2020

7.11. 

… Die Uhren sind hoch empfindlich. Nicht selten treten Störungen auf. Dann stolpern sie aus der Zeit. Mit anderen Worten, sie gehen nach. Zum Glück merkt ein Betroffener fast gar nichts. Eventuell hier und da ein leichtes Ziehen im Körper, insgesamt ein wenig Unwohlsein. Das ist dann auch schon alles. Mehr spürt er nicht. Mitunter vergehen Tage oder Wochen, bis die Uhren wieder funktionstüchtig sind.

Verstehen Sie nun, Doktor? Diese Wartezeiten sind überschüssig. Sie gehören mir. Ich kann sie problemlos weiter verwenden. Nur eine Einschränkung ist dabei. Ich darf das Konto nicht überziehen, sonst drohen ernste Schwierigkeiten. Im vergangenen Monat wäre es fast so weit gewesen. Mir blieb keine Wahl, ich musste kürzer treten. Deshalb, Doktor, erhielten Ihre Patienten keine Lebensverlängerung. Ich habe mich nicht mehr in den natürlichen Ablauf eingemischt. Ihre, wie Sie meinen, abweichende Sterberate, war absolut nichts Ungewöhnliches.“

„Sie sind ein richtiges Schlitzohr, Frieder! Wie ist das nun mit unserem Abkommen! Wann gehören die Todeskandidaten Ihnen und wann mir?“

„Gewinnt das Leben, stehe ich am Kopf des Patienten. Habe ich aber anders entschieden, werden Sie mich bei seinen Füßen sehen.“

„Nein, Doktor; denn dem ich die Hand reiche, der geht mit mir.“

 

Fortsetzung am 9.11.