3.11.2020

Der war nicht einmal überrascht, dass es so schnell passierte.

„Ganz und gar typisch für Sie. Tauchen aus dem Nichts auf. Sie hätten sich anmelden können.“

„Anmelden? Das ist nicht mein Stil. Ich bin Frieder Tod. Frieder: von Frieden oder Friedlich.“

„Nichts gegen Ihren Vornamen. Nur ich hätte es gerne weniger friedlich.“

„Der Tod kommt immer, wenn der Zeitmesser eines Menschen abläuft. Das ist die Regel.“

„Gut Frieder, aber das hier ist nun mal eine Ausnahmesituation. Vielleicht können Sie mir verraten, wann mein letztes Stündlein schlagen wird. Ich bin neugierig.“

„Nein, das darf ich nicht. Die Zeiten des Ablebens sind geheim. Doch ich bin gekommen, um Ihnen einen Überblick aus den Niederschriften unserer himmlischen Gesetzesordnung zu geben, damit Sie mein Wirken besser verstehen. Danach, so hoffe ich, sollten unsere Differenzen nicht mehr so groß sein.“

„Dann lassen sie mal hören, Frieder.“

„Gut, Doktor! Ich erkläre es Ihnen erst einmal in Kurzform. Erblickt ein Mensch das Licht der Welt, wird auch der Zeitpunkt seines Todes festgelegt. Kurzes oder langes Leben, das ist jedes Mal eine schwerwiegende Frage. Es obliegt daher einer höheren Instanz, hierüber ein Urteil zu fällen.“

„Moment mal! Frieder, Sie weichen mir aus. Warum sagen Sie nicht einfach, was letzten Monat los war? Wieso konnten Sie sich nicht mit den üblichen Abgängen begnügen? Ich bleibe dabei, in der Größenordnung waren sie nicht zu akzeptieren. Wir hatten schließlich keine Seuche!“

(Fortsetzung am 4.11.)