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Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. 1. Korinther 12, 4-7

Heute habe ich in der Zeitung die Beschwerde eines Künstlers über den Begriff „systemrelevante Berufe“ gelesen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Mit welchem Recht werden bestimmte Tätigkeiten besonders hervorgehoben? Im heutigen Bibeltext wird ja genau das Gegenteil zu dieser Einstellung deutlich. Welcher Beruf ist denn nicht „systemrelevant“?  Eine Lesebuchgeschichte aus der Volksschule kommt mir dabei in den Sinn. Die emsigen Ameisen sorgen das ganze Jahr über dafür, dass für die Winterzeit genügend Futter da ist, die Grille hat dafür keinen Sinn. Im Winter ist es aber sie, die den Anderen durch ihre Kunst eine Freude bereitet.  Zum Leben gehört eben mehr als Essen und Trinken und Gesundheit. Das Leben ist immer lebensgefährlich und endet mit Gewissheit im Tod (das ist so ziemlich die einzige Gewissheit, die wir haben).  Lassen wir uns also nicht unter dem einzigen Ziel der Vermeidung einer Krankheit unser Leben mit all seinen Facetten nehmen. Gemeinschaft ist lebensnotwendig, Kunst ist lebensnotwendig, Gesang ist lebensnotwendig, jedes Amt ist lebensnotwendig, es gibt nichts, was systemrelevanter wäre als irgendetwas anderes.  In Jedem und in allen Tätigkeiten offenbart sich der Geist zum Nutzen aller, diese biblische Weisheit sollten wir verinnerlichen und so einer Spaltung der Gesellschaft in wichtige, weniger wichtige und überflüssige Mitglieder der Gemeinschaft entgegentreten.

Erwin Mosel