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20. Sonntag nach Trinitatis

Evangelium:          Markus 2, 23-28

Das Ährenraufen am Sabbat

23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen.

24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: „Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?“

25 Und er sprach zu ihnen: „Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren?“

27 Und er sprach zu ihnen: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.

28 So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.“

 

 

„Hey, Jesus, was machen deine Jünger da? Seid ihr von allen guten Geistern verlassen?! Kannst du diese arbeitsscheuen Gestalten nicht zur Ordnung rufen? Du weißt doch selber, dass das verboten ist, was ihr hier tut! Und deine Anhängerschar müsste das auch wissen, wenn sie echte Gottgläubige wären!“

„Sagt mal, ihr ach so frommen und heiligen Pharisäer: Kennt ihr eigentlich nur Verbote? Was ist daran so schlimm, hier auf dem Feld ein paar Ähren auszurupfen und zu essen?“

„Komm, Jesus, jetzt tu mal nicht so naiv! Wir haben dich schon predigen hören, wir wissen, dass du kein Aluhut-Träger bist. Gib schon zu, dass du die Verbote kennst: ES IST SABBAT! IST DA JEMAND ZU HAUSE? Jetzt noch mal für die ganz Dummen:

  1. Am Sabbat ist einzig der Sabbatweg zur Synagoge und zurück gestattet. – Und wo seid ihr, bitteschön?!
  2. Ährenraufen ist verboten! Das ist Arbeit. Schon vergessen? Arbeit ist am Sabbat verboten!
  3. Das Feld gehört dem Priester Jojakim. Der ist sicher nicht erfreut, wenn er hört, dass ihr ihm sein Getreide stehlt!

Bist du etwa ein Gebote-Leugner?“

Jesus unterdrückt ein Lachen. Nein, über die strengen Gebotehalter will er nicht lachen. Sie sind in ihren Ängsten gefangen, sie listen ihm und seinen Jüngern alles auf, was zu beachten ist, damit sie nicht in Teufels Küche kommen.

Sie sind so unsicher, dass sie sich an den Geboten und Verboten festklammern. Die Pharisäer tun Jesus ein wenig Leid. Er möchte ihnen ihre Ängste nehmen:

„Ihr lieben Pharisäer. Ich schätze euch sehr, ihr kennt euch in den Verboten wirklich gut aus. Ihr habt das alles gründlich studiert. Aber ihr habt die Schriften einseitig gelesen, nur einen Teil habt ihr wahrgenommen.

Aus dem anderen Teil erzähle ich euch eine Geschichte:

Als unser großer König David noch kein König war, sondern dem König Saul diente, bemerkte er, dass Saul nicht mehr gut auf ihn zu sprechen war. David bekam Angst um sein Leben und floh mit Hilfe des Jonathan, seines besten Freundes, der auch Sohn des Saul war, aus Jerusalem. Er flüchtete nach Gad ins Land der Philister und machte nach zwei Tagen Flucht einen Zwischenhalt in Nob beim Priester Ahimelech.

David war sehr hungrig und bat den Priester, ihm Brot zu geben. Der hatte gerade keines mehr, nur die geopferten und geweihten Brote, die Schaubrote, die allein den Priestern vorbehalten waren. Ein Normalsterblicher durfte sie nicht essen.

Aus der großen Not heraus gab der Priester dem David 5 dieser geweihten Brote. Eigentlich ein Unding! Aber die Notsituation des David wog für den Priester weitaus mehr, als das Gebot über das Schaubrot.“

Die Pharisäer schauen sich an. Dann bricht es vor lauter Wut über ihr eigenes Unwissen aus ihnen heraus: „Du Verschwörungstheoretiker! Suchst dir irgendeine unwichtige Textstelle heraus und meinst, uns Belesene und vorbildliche Bürger belehren zu wollen? Was weißt du denn schon? Wir haben die Mehrheitsmeinung. Wir folgen dem Mainstream. Du mit deiner Außenseitermeinung! Behalte deine Weisheiten für dich und störe nicht unsere Kreise!“

Jesus merkt, dass er hier nichts ausrichten kann. Meinung steht gegen Meinung, Bibelwort gegen Bibelwort. Jesus hat versucht, mit einem einleuchtenden Argument zu überzeugen, doch die verängstigten Gebote- und Verbotehalter hören gar nicht richtig hin. Argumenten gegenüber sind sie nicht aufgeschlossen. Und sie wollen sich auch gar nicht aufschließen lassen. Weder von Jesus, noch von sonst jemandem.

Jesus bleibt nur noch eines; nämlich sein neues Gebot bekannt zu geben. Eines, das eigentlich zu den Ältesten gehört, aus der Schöpfung heraus entstanden, für das Leben im Paradies war es schon wichtig – und ist schon damals von Adam und Eva nicht verstanden worden.

Jesus sagt, mehr zu seinen Jüngern, als zu den Pharisäern:

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“

Seine Jünger begreifen, was er damit meint. Sie wissen, dass auch sie sich an die guten Vorschriften Gottes halten sollen, die die Leitplanken für ein gelingendes Miteinander sind. Und doch ist es die Pflicht eines Jeden, genau zu überlegen, in welcher Situation man sich gerade befindet:

  • Sind die Vorschriften da, um dem Menschen zu dienen?
  • Oder müssen die Menschen die Vorschriften einhalten, egal, ob sie sinnvoll sind oder nicht?
  • Ist diese Situation, in der ich mich befinde, eine Ausnahmesituation, die auch ein Ausnahmeverhalten notwendig macht?
  • Muss ich meinen Verstand abschalten, um Gebote einzuhalten?
  • Hat nicht demgegenüber Gott mir meinen Verstand gegeben, damit ich selbständig und eigenverantwortlich mit ihm denke und abwäge und entscheide?

Die Jünger Jesu verstehen, was er ihnen sagen will.

Jesus befreit die Jünger zu eigenverantwortlich Denkenden, die nicht andere für sich denken lassen müssen.

Wer eigenverantwortlich denkt und lebt, der trägt auch zur Sicherheit bei, zur eigenen und zu der der Anderen.

Wer eigenverantwortlich denkt und lebt, der trägt ebenfalls zur Freiheit bei. Zur eigenen und zur Freiheit der Anderen.

Jesus schenkt seinen Jüngern diese Freiheit.

„So ist der Menschensohn auch Herr über den Sabbat“, fügt Jesus noch hinzu.

Ob die Pharisäer das noch gehört haben? Wahrscheinlich sind sie schon längst wieder auf dem Rückweg in ihre eigene Unfreiheit, die sie allen Menschen aufdrücken wollen.

Doch seine Jünger hören seine Worte: „Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat“, d.h. Herr über die Gebote und Verbote.

Zurück in die Gegenwart:

  • Das Begrüßen per Handschlag oder Umarmung ist verboten!
  • Singen verboten!
  • Sich nebeneinander zu setzen ist verboten!
  • Lachen verboten!
  • Reden verboten!
  • Gemeinschaft verboten!

Wem gehorchen wir? Den Menschen oder Gott?

Wem vertrauen wir? Den Menschen oder Gott?

Wem gewähren wir Macht über unser Leben? Den Menschen oder Gott?

Freiheit und Ordnungen, Liebe und Hilfe – alles ist von Gott, dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Denn auch Himmel und Erde unterliegen einer gewissen Ordnung – doch sie brauchen die Freiheit, um sich weiter entwickeln zu können.

Das Leben auf dieser Erde benötigt Liebe und Hilfe – wo kämen die Menschen, die Tiere und die Natur, ja die ganze Schöpfung hin, wäre unser Tun, unser Denken und Handeln, nicht von Liebe und Hilfe bestimmt.

Wo käme das Leben auf dieser Erde hin, stände es nicht unter Gottes Hilfe und Liebe?

Wo kämen wir Menschen hin ohne unseren Schöpfer?

Ich gebe heute auf diese Fragen keine Antwort.

Jede und jeder von uns hat das Recht auf eine eigene und eigenverantwortliche Antwort.

Und das auf der Basis des Wortes Gottes:

„Zur Freiheit hat uns Gott befreit!“

Deine Querdenker-Christen!

 

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